Inzidenzrate


Aufgrund der hohen Ausfallrate und des weit gefassten Versuchsaufbaus ist die Interpretation der Daten schwierig. Der Verlauf des Krebssterbegeschehens lässt sich in Deutschland anhand der von den Statistischen Ämtern der einzelnen Bundesländer seit Jahrzehnten zuverlässig erhobenen Todesursachenstatistik flächendeckend beurteilen. Inzidenzdichte bezeichnet den Anteil der Personen, die in einem bestimmten Zeitraum J neu erkranken, dividiert durch die Summe der Personenzeiten unter Risiko im Zeitraum J. Schon im frühen

Anmerkungen zur Interpretation der Ergebnisse:


Für die Berechnung sind die exakten Zeitpunkte von Erkrankungen und Ausscheiden aus der Studie notwendig. Die kumulative Inzidenz ist ein Anteil und nimmt entsprechend einen Wert zwischen 0 und 1 an; sie trägt keine Einheit.

Die Angabe einer kumulativen Inzidenz ohne Nennung eines Zeitraums ist nutzlos, da die kumulative Inzidenz für sehr kurze Zeiträume unabhängig von der Krankheit nahe null ist und mit zunehmender Beobachtungsdauer stets gegen 1 strebt.

Ein üblicher Untersuchungszeitraum ist ein Jahr, saisonale Schwankungen werden so nicht erfasst. Die kumulative Inzidenz kann als die Wahrscheinlichkeit interpretiert werden, mit der ein Mensch aus der betrachteten Bevölkerungsgruppe in der betrachteten Zeitspanne mindestens einmal an der betrachteten Krankheit erkrankt; die kumulative Inzidenz wird deshalb auch als Risiko bezeichnet.

Sollen kumulative Inzidenzen für aufeinander folgende Zeiträume zusammengefasst werden, können sie nicht einfach addiert werden. Bei Tieren würde man nicht von Personenzeit, sondern von Bestandszeit sprechen. Die Inzidenzrate kann auch dann berechnet werden, wenn die Studienteilnehmer unterschiedlich lange beobachtet wurden.

Mehrmalige Erkrankungen derselben Person im Untersuchungszeitraum gehen anders als bei der kumulativen Inzidenz mehrfach in die Berechnung ein. Personen, die zu Beobachtungsbeginn bereits erkrankt waren, können in die Untersuchung eingeschlossen werden, da sie nach Genesung wieder Personenzeit unter Risiko oder sogar neue Erkrankungen beisteuern können.

Bei Krankheiten, deren erstes Auftreten spätere Erkrankungen derselben Person wesentlich wahrscheinlicher z. Die Inzidenzrate ist von der Länge des Beobachtungszeitraums unabhängig, sofern sich die Dynamik der Erkrankungen nicht verändert. Auch nach dieser neuen Schätzung weist die betreffende standardisierte Erkrankungsrate über den gesamten Beobachtungszeitraum dauerhaft einen Anstieg auf, mit besonders starken Zuwächsen ab Prostatakrebs hat sich dadurch inzwischen zur häufigsten Krebserkrankung bei Männern entwickelt [3].

Seit hat sich jedoch der Anstieg deutlich abgeschwächt. Auch die altersstandardisierte Sterberate steigt seit an, allerdings ist hier seit den er Jahren ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Wie Abbildung 2 [ Abb. Begleitet wird dieser starke, geschätzte Anstieg von einem Rückgang der standardisierten Sterberaten seit Mitte der er Jahre. Abbildung 3 [ Abb. Der anfängliche Anstieg in den geschätzten Inzidenzraten bei beiden Geschlechtern setzt sich ab den er Jahren in einem Rückgang fort.

Auch die geschätzten Mortalitätsraten sind zumindest nach rückläufig. Beim Lungenkrebs Abbildung 4 [ Abb. Bei Männern steigen sowohl die Inzidenz- als auch die Mortalitätsraten seit den er Jahren stark an, weisen aber spätestens seit den er Jahren deutlich abnehmende Verläufe auf. Bei Frauen steigen dagegen sowohl die geschätzten Erkrankungs- als auch die Sterberaten über den gesamten Beobachtungszeitraum stetig an.

Anders als bei der Krebsmortalität stehen den hier präsentierten Krebsinzidenzschätzungen auf Bundesebene keine beobachteten Daten gegenüber, anhand derer man die Ergebnisse besser einordnen bzw. Diese deutschlandweiten Schätzungen resultieren aus der Aggregation der Daten aller Bundesländer. Jedoch weisen die kurzfristigen Schätzungen in den letzten beiden Jahren einen Rückgang auf, der sich in den hier vorgestellten langfristigen Trendschätzungen noch nicht widerspiegelt, da die Joinpoint-Methode auf signifikante Trendänderungen erst ab 3 Jahren prüft.

Daher steigt die langfristige Trendschätzung auch nach weiter an. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Krebsregisterdaten durch Meldeverzögerungen im aktuellen Meldejahr teilweise noch nicht vollzählig sind. Dadurch können die beobachteten Daten im jeweils letzten Meldejahr noch temporär geringer ausfallen, wobei solche Meldelücken in den Folgejahren zumeist aufgefüllt werden.

Ausgiebige Trendanalysen des epidemiologischen Krebsgeschehens mit Hilfe der Joinpoint-Methode wurden auch für Deutschland schon früher durchgeführt [9]. Im Gegensatz dazu werden in der hier vorliegenden Arbeit alle altersspezifischen Inzidenz- und Mortalitätsraten jeweils einzeln einer Joinpoint-Analyse unterzogen und auf dieser Basis aus den geglätteten Werten die altersstandardisierten Raten berechnet.

Jedoch stehen die ermittelten Joinpoints in den jeweils 18 Altersklassen nicht im Mittelpunkt dieser Untersuchung und werden deshalb hier auch nicht aufgeführt und diskutiert. Vielmehr dienen die Joinpoint-Analysen lediglich dazu, die wesentlichen Trendverläufe in den altersspezifischen Raten zu modellieren und damit zu glätten. Wie die in Abbildung 1 [ Abb. Dadurch ergeben sich zumindest für die hier untersuchten Krebslokalisationen glattere Übergänge beim Wechsel der verwendeten Referenzregionen im betreffenden Jahr.

Dies erleichtert eine Interpretation der Kurvenverläufe, da man Änderungen in den geschätzten Inzidenzraten sonst vielfach als geänderte Erkrankungsrisiken interpretiert. Der bei Prostatakrebs in Abbildung 1 [ Abb. Bei Frauen wird der verstärkte Anstieg in der geschätzten Brustkrebsinzidenzrate seit Mitte der er Jahre mit der schrittweisen Einführung des organisierten Mammographie-Screenings ab in Verbindung gebracht, durch eine vorzeitige Entdeckung vieler, auch kleinerer Tumoren. Auch hier geht diese Inzidenzentwicklung einher mit einem dauerhaften Rückgang der Brustkrebsmortalität seit Mitte der er Jahre.

Bei Darmkrebs steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter stetig an. Trotz des demografischen Wandels ist dennoch bei beiden Geschlechtern in den letzten Jahren ein Rückgang in den geschätzten Erkrankungszahlen hier nicht dargestellt zu verzeichnen [3].

Lungenkrebs gehört nach wie vor zu den prognostisch ungünstigsten Tumoren [3]. Das spiegelt sich in Abbildung 4 [ Abb. Obwohl mit der seit Jahrzehnten zuverlässig erhobenen Todesursachsenstatistik flächendeckend beobachtete Krebssterbezahlen für Gesamtdeutschland zur Verfügung stehen, wurden diese Zeitreihen hier ebenfalls modelliert. Zum einen werden die geglätteten Sterbezahlen für eine stabilere Schätzung der bundesdeutschen Krebsinzidenz benötigt und zum anderen geben die mittels Joinpoint modellierten Sterberaten die wesentlichen Trendverläufe der Zeitreihen deutlich besser wieder als die stärker variierenden beobachteten Zahlen selbst.

Wenn für ein Land eine zuverlässige flächendeckende Krebsregistrierung existiert, werden die dortigen, teilweise schon älteren Registerdaten nur auf die aktuelle Bevölkerung hochgerechnet, um die aktuelle nationale Krebsinzidenz zu ermitteln. Generell möchte man mit epidemiologischen Methoden und Studien den Zusammenhang zwischen Exposition gegenüber Risikofaktoren und Erkrankung ermitteln.

Ein Risikofaktor kann etwa Rauchen, fettes Essen oder auch ein bestimmtes soziales Umfeld sein, welches die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöht. Zu den allgemein erhobenen Daten gehören neben Krankheitsstatus, Grunderkrankungen, Alter und Geschlecht oft das Rauchverhalten und der Bildungsstand.

Man unterscheidet zwischen Beobachtungsstudien Querschnittsstudie, Kohortenstudie, Fall-Kontrollstudie und Interventionsstudien. Die Endemie ist das normale, übliche Auftreten einer bestimmten Krankheit in einer bestimmten Population. Aus der Definition der Endemie folgt also, dass die Epidemie das unüblich starke und zeitlich begrenzte Auftreten einer Krankheit ist.

Die Pandemie ist ebenso wie die Epidemie ein heftiger Ausbruch einer Krankheit, jedoch ist die Epidemie immer noch auf bestimmte Gebiete beschränkt. Pandemien sind dagegen länder- und kontinentübergreifend. Ihrer Vorbeugung und ggf. Eindämmung dient der Pandemieplan der Weltgesundheitsorganisation WHO und darauf aufbauend idealerweise jeweils ein Nationaler Pandemieplan. Sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen.

Die Epidemiologie betrachtet auch das soziale , geografische und ökonomische Umfeld von Erkrankungen, während sich die Medizin meistens nur auf unmittelbare Faktoren wie etwa Viren und Körperverletzungen beschränkt. Epidemiologen untersuchen das weitere Umfeld, in welchem jeder Zustand weitere Faktoren beeinflusst.

Schon im frühen Jahrhundert führte Giovanni Maria Lancisi — , der in Rom als Leibarzt des Papstes wirkte, den Rückgang von diversen Erkrankungen — darunter Malaria — auf verbesserte Hygiene und die Trockenlegung von Sümpfen zurück. Der Beginn der Epidemiologie im eigentlichen Sinn wird jedoch auf die Mitte des John Snow einen Cholera -Ausbruch im Londoner Soho -Bezirk erfolgreich, weil er aufgrund einer Kartierung der Erkrankungsfälle erkannte, dass eine öffentliche Wasserfassung die Infektionsquelle war.

Zum Umfeld von William Farr gehörte auch Florence Nightingale — , die als eine der Begründerinnen der westlichen Krankenpflege gilt. Den Ruhm, den ihr ihr Krimkrieg-Einsatz einbrachte, nutzte sie, um auf zahlreiche britische Gesundheitsreformen Einfluss zu nehmen.

Sie konzentrierte sich daher darauf, Daten zu sammeln, diese aufzubereiten und zu analysieren, um dann daraus Schlüsse zu ziehen. Ein wesentliches Arbeitsmittel waren für sie Fragebögen, daneben griff sie auf bereits vorhandene Daten zurück, wie die als Blaubücher bezeichneten offiziellen Regierungsberichte sowie Stellungnahmen britischer Behörden.

Obwohl britische Soldaten normalerweise zwischen 20 und 35 Jahre alt waren und damit einer Altersgruppe mit geringer Sterblichkeitsrate angehörten, wiesen sie in Friedenszeiten eine fast doppelt so hohe Sterblichkeitsrate wie Zivilisten auf.

In ihrem Bericht an die britische Regierung fand Nightingale dafür deutliche Worte. Die Erkenntnisse von Semmelweis wurden von der Fachschaft nicht akzeptiert, denn damals galt die Annahme, dass es krankmachende Kleinstlebewesen — nämlich Bakterien — gebe, als lächerlich.

Die ersten Mediziner, die die Vorgehensweise der Epidemiologie nicht nur auf Infektionskrankheiten, sondern auf Krebserkrankungen anwendeten, waren gegen Ende der er Jahre Walther Hesse und Friedrich Härting. In seinen Verantwortungsbereich fielen unter anderem 83 Dörfer, in denen vor allem Bergarbeiter lebten. Hesse war schockiert über ihren schlechten Gesundheitszustand und das geringe Lebensalter, das Bergleute typischerweise erreichten. Gemeinsam mit dem Bergwerksarzt Härting begann Hesse, einzelne Krankheitsfälle zusammenzutragen, Bergleute zu interviewen, Umweltmessungen vorzunehmen und letztlich auch 20 Autopsien durchzuführen.

Am Ende ihrer Untersuchung stand eindeutig fest, dass es unter den Bergleuten zu einer Häufung von Krebsfällen kam, deren Ursache in Zusammenhang mit ihrer Arbeit stand.