Schwellenland


Der kreditfinanzierte Investitionsboom in vielen Schwellenländern mit teils gigantischen Infrastruktur- und privaten Immobilienprojekten zog einen Abbau der Arbeitslosigkeit und einen deutlichen Anstieg des Wohlstands vieler privater Haushalte nach sich. Zu optimistische Wachstumsprognosen durch die Geberländer, fehlende Bonitätsprüfungen, schlechtes Schuldenmanagement, Misswirtschaft und Korruption verschärften die Situation zusätzlich. Die Angriffe hielten fortwährend an. Die Kapazitäten der Stahl- und in der Papier- und Pappeproduktion waren nur noch zu 67 Prozent ausgelastet; schwach war ebenfalls die Auslastung der Raffinerien, Kohlebergwerke, Werften, Zementfabriken, Industrieglasfabriken sowie in einigen Agrarsparten u.

Inhaltsverzeichnis


Die angestrebte kurdische Teilautonomie konnte sich jedoch in dieser von zahlreichen ethnisch-politischen Konflikten geprägten Zeit zunächst nicht etablieren. In der im Jahre erlassenen irakischen Verfassung wurde rechtlich die Gebietskörperschaft "Region" geschaffen, und die bis dahin errungenen Autonomierechte der Region Kurdistan in dieser Gebietskörperschaft konsolidiert. Gegenwärtig handelt es sich bei der Region Kurdistan jedoch um die einzige Region des als föderal definierten Irak.

Darüber hinaus werden Teile der angrenzenden Gouvernements beansprucht, die teilweise auch faktisch von der kurdischen Regionalregierung kontrolliert werden. Die kurdische Regionalverwaltung bzw. Es grenzt an drei Staaten: Beide Flüsse münden in den Tigris. In Kurdistan herrscht ein teilarides Klima. In den Gebirgsregionen mit ihren Flüssen und einer reichen Vegetation ist das Klima kühl und regenreich.

Allein im Flüchtlingscamp Kawergosk in der Provinz Erbil sind in 2. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden. Die kurdischen Sprachen sind in der Region Amtssprache und werden intensiv in den Medien und als Schriftsprachen verwendet. Die arabische Sprache ist formell ebenfalls eine Amtssprache, wird jedoch nur selten gesprochen. Durch den intensiveren Gebrauch von Medien und die erhöhte Mobilität der Bevölkerung beherrschen inzwischen nahezu alle Einwohner Kurdistans beide kurdischen Sprachen.

In der Region Kurdistan werden zwei Schriftsysteme verwendet. Zur Schreibung des Sorani, das in der autonomen Region Kurdistan am meisten gesprochen wird, [24] wird die persische Schrift mit Sonderzeichen verwendet. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört dem sunnitischen Islam an. Diese Minderheiten können in der Region ihre Religion weitgehend frei ausleben. Zahlreiche Anschläge auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen im restlichen Irak sorgten für eine Flucht von Angehörigen der irakisch-christlichen Minderheiten in die Region.

In der Provinz Mosul stellten die Kurden die Bevölkerungsmehrheit. In Wirklichkeit wurde die ehemalige osmanische Provinz Mosul jedoch koloniales Interessengebiet. April vom Völkerbund das Mandat über Mesopotamien übertragen. Dieses umfasste neben Mosul die ehemaligen osmanischen Provinzen Bagdad und Basra. Das kurdisch besiedelte Gebiet wurde dabei aufgrund seiner Ölvorkommen als besonders wichtig für den neu zu bildenden Staat angesehen. Frankreich akzeptierte schon frühzeitig den britischen Einfluss über Irakisch-Kurdistan, da eine französische Gesellschaft Anteile am irakischen Öl erhielt.

In der Mosul-Frage konnte sich die Türkei jedoch nicht durchsetzen: Damit galt international von diesem Zeitpunkt an jeder Konflikt zwischen Irakisch-Kurdistan und der Zentralregierung als inner-irakische Angelegenheit.

Von Anfang an bestand eine kurdische Opposition gegen die britisch-irakische Herrschaft. Juni wurde der letzte anglo-irakische Vertrag geschlossen, in dem das Ende des britischen Mandats vorbereitet und das zukünftige Verhältnis beider Länder geregelt wurde. Die ersten Aufstände der Kurden waren noch keine nationalen Erhebungen, sondern auf einzelne Stämme beschränkt. Mustafa Barzani entkam aus dem Exil, führte einen neuerlichen Aufstand an und forderte Autonomie für Irakisch-Kurdistan ein.

Januar mit Unterstützung der Sowjetunion die kurdische Republik Mahabad begründet, an deren Verteidigung sich Barzani beteiligte. April mit etwa Kämpfern zurück in den Irak, um einen Monat danach, am Mai , den nächsten Aufstand zu starten. Dieser führte am Juni zur Flucht in die Sowjetunion. September zu einem Aufstand gegen die Zentralregierung führte.

September bis zum Oktober intensivierte die irakische Armee ihre militärische Offensive gegen die kurdische Widerstandsbewegung. September durch die Regierung formal aufgelöst.

Der Iran leistete militärische Hilfe und lieferte Waffen und Munition. Januar bot die irakische Regierung den Kurden Amnestie an, falls sie die Waffen niederlegen. Nach der Machtübernahme durch die Baath-Partei fanden vom Februar bis zum 1. März Verhandlungen zwischen den beiden Konfliktparteien statt, die jedoch scheiterten. Bei diesem Angriff starben am Juni Rebellen in Duhok. Die Angriffe hielten fortwährend an. Zur Unterstützung der irakischen Armee, entsandte die syrische Regierung 5.

Derweil warf die Sowjetunion den Irakern einen Völkermord an den Kurden vor. Der Höhepunkt des Konflikts ereignete sich am 4. August , als die irakischen Truppen Barzan vollständig besetzten. Februar wurden die Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien in Bagdad aufgenommen. Im April kam es in der Region um Sulaimaniyya erneut zu militärischen Auseinandersetzung zwischen kurdischen Rebellen und der irakischen Truppen.

Während des Konflikts von bis wurden etwa Bis Ende September kam es zu keinen weiteren militärischen Auseinandersetzungen. Im Oktober setzte sich der Konflikt jedoch erneut fort. März bot die irakische Regierung den Kurden das Recht auf Selbstbestimmung an. März unterschrieben beide Parteien einen Punkte-Friedensvertrag.

Der Konflikt endete mit dem Abkommen vom In diesem Abkommen wurde auch die Durchführung eines Referendums im erdölreichen Kirkuk akzeptiert. Jedoch waren sich sowohl die Baath-Regierung, als auch Barzani einig, die Vereinbarungen des Manifests nicht sofort, sondern im 4-Jahrestakt zu erfüllen. Ein weiterer Streitpunkt entstand bei der Festlegung der Grenzen des Autonomiegebiets. Er sicherte den Kurden, unter Absprache mit den Vereinigten Staaten , militärische und finanzielle Hilfe zu, falls diese die Autonomie mit Gewalt gegen die Regierung durchsetzen würden.

Dieses Angebot wurde von Barzani wahrgenommen. Im April fing der Krieg zwischen beiden Seiten wieder an. Im Vergleich zu den vorherigen, militärischen Auseinandersetzungen, setzte die Baath-Führung nun Phosphorbomben gegen die Kurden ein. Ein kurdischer Legislativrat Parlament und ein kurdischer Exekutivrat Regierung in Erbil sollten teilautonom dieses Gebiet regieren. De facto war aber der Legislativrat, und damit das gesamte Gebiet, unter der Kontrolle Bagdads.

Geplant waren die Gründung einer kurdischen Akademie der Wissenschaften und die Ausweitung von Gesundheitsversorgung und Erziehungswesen in weniger erschlossene Gebiete, die unter den vorherigen Kämpfen gelitten hatten.

Kurdisch wurde erstmals zur Amtssprache. Sie erlitten eine schwere Niederlage. Zwischen und Menschen starben:. Unter diesem Schutz vor der Bagdader Zentralregierung konnte die kurdische Bevölkerung sich eine gewisse Unabhängigkeit aufbauen.

Das Verhältnis zwischen den beiden Parteien war angespannt und führte zu einem kurdischen Bürgerkrieg , in den auch Bagdad sowie der Iran involviert waren. In Folge des Konflikts entstanden zwei kurdischen Verwaltungen — eine in Erbil und eine in Sulaimaniyya.

Im August beendete das Parlament den Ausnahmezustand in den Kurdenprovinzen, erteilte der Armeeführung aber Vollmachten bezüglich militärischer Einsätze, Verhaftungen und Zensur in allen Provinzen des Landes. Noch vor der Verabschiedung der neuen Verfassung des Iraks wurde die Autonome Region Kurdistan von der Zentralregierung durch ein Sondergesetz anerkannt. In der Verfassung wurde die Gebietskörperschaft der irakischen Regionen geschaffen und mit nahezu vollständiger Souveränität ausgestattet; eine indirekte, verfassungsrechtliche Sicherung der von der Region Kurdistan erworbenen Autonomierechte.

Juni wurde nach monatelangen Verhandlungen über die Art und die Besetzung des Präsidentenamtes das Parlament in Erbil zusammengerufen und Masud Barzani zum Präsidenten der Region gewählt. Januar fand das nicht bindende Unabhängigkeitsreferendum statt. Mai trat zum ersten Mal das wiedervereinigte Parlament in Erbil zusammen. Die Ministerposten wurden unter den Parteien aufgeteilt. Zum Kabinett gehören bis heute auch ein Minister für Landesverteidigung und ein Minister für auswärtige Angelegenheiten.

Im August verkündete Barzani in einem Dekret, dass in der gesamten Region an öffentlichen Gebäuden nur die Flagge der Autonomieregion gehisst werden soll. Erst nach der Einführung einer Interimsflagge für den Irak durch das Landesparlament, legte Barzani fest, dass an allen öffentlichen Gebäuden nun die kurdische und die irakische Flagge gesetzt werden sollten.

Die Einigung auf die Interimsflagge gelang auch deswegen, weil Anfang der Gipfel der Arabischen Liga in Erbil tagen sollte und man den Konflikt um die Flagge bis dahin beilegen wollte. Die USA und die kurdische Regierung kamen dem nicht nach. Dieser Konflikt trübt die Beziehungen zwischen der Türkei und der kurdischen Regionalregierung.

Februar brachen zunächst in Sulaimaniyya Proteste aus, die überwiegend von Jugendlichen getragen wurden. Die Unruhen weiteten sich auf andere Städte aus und hielten über mehrere Wochen an. In Erbil und Dahuk wurden alle Demonstrationen verboten. Insgesamt wurden 10 Demonstranten im Verlauf der Proteste getötet und etwa verwundet. Februar Menschen eine Protestaktion gegen die Regionalregierung durchzuführen. Viele Menschen wurden dabei festgenommen.

Masud Barzani kündigte daraufhin Reformen an. Die kurdische Regionalregierung nutzte dies, um von ihr beanspruchte Gebiete nach der Rückeroberung vom IS unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter im Juli die bisher umstrittene Stadt Kirkuk. In der Folge gab Masud Barzani die Ausarbeitung eines Referendums über die Unabhängigkeit der kurdischen Region in Auftrag, [81] womit sich der politische Druck auf den damaligen irakischen Premierminister Nuri al-Maliki erhöhte.

November der Einmarsch der Kurden in Sindschar vermeldet. Die eigentlich bis dahin geplante Einigung im Parlament über die Zukunft des Präsidentenamts fand nicht statt. Durch die kriegsbedingte schlechte Wirtschaftslage, die hohen Flüchtlingszahlen und den Zahlungsverzug der Beamtenlöhne kam es im Oktober zu mehreren, teilweise gewalttätigen, Protesten gegen Barzani.

Masud Barzani trat im November von seinem Amt zurück. Juni kündigte die Führung der Autonomen Region Kurdistan eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit vom irakischen Zentralstaat an. September abgehalten worden und ergab ein deutliches Votum für die Unabhängigkeit.

Das Referendum wurde von Bagdad als illegal bezeichnet und von vielen Staaten kritisiert. Nachbarn wie die Türkei oder der Iran sahen das Referendum als Gefährdung ihrer eigenen nationalen Sicherheit und Integrität an. Das oberste Gericht im Irak erklärte das Referendum für verfassungswidrig. Die Region Kurdistan hat weitgehende Autonomierechte. So darf kein Soldat der irakischen Armee ohne Erlaubnis die kurdischen Gebiete betreten.

Die Mannschaftsstärke der Streitkräfte der kurdischen Regionalregierung wurde bereits auf Präsident der Region Kurdistan war ab Masud Barzani. Dieses Amt übte er nach einer Wiederwahl im noch bis aus. Obwohl laut einem Verfassungsentwurf von maximal zwei Amtsperioden vorgesehen sind [] , trat Barzani nicht zurück. Er wurde dann durch das Parlament für zwei weitere Jahre im Amt gehalten.

Derzeit regiert das Kabinett Barzani II , welches am Die Konkurrenz würde Unternehmen zu mehr Innovationen zwingen und so wettbewerbsfähiger machen. Staaten, die sich den Empfehlungen des IWF angeschlossen hätten wie die Philippinen, Thailand und Indonesien weisen heute wirtschaftliche Probleme auf, weil sie ihre Märkte viel zu früh liberalisiert und Subventionen gestrichen haben. Allerdings waren diese Subventionen an die Erzielung von Exportüberschüssen gebunden.

Studwell kritisiert jedoch die Tätigkeit der Staatsfonds z. China wiederum habe seinen Binnenkonsum zugunsten der Erzielung von Exportüberschüssen stark vernachlässigt. Kritiker des neoklassischen Entwicklungsmodells verweisen darauf, dass es abgesehen von Hongkong kein Schwellenland gegeben habe, das sich ohne Staatseingriff erfolgreich entwickelt habe. Die neoklassische Kritik an der Entwicklungspolitik konzentriere sich auf das Auffinden von Fehlern und unterschlage die Erfolge. Der von ihr oft zitierte Erfolg Taiwans sei zwar auf die Öffnung der Märkte zurückzuführen; doch sei gerade Taiwan ein Beispiel für zielstrebige Industriepolitik durch Importsubstitution und Exportförderung sowie sektorale Eingriffe und einen hohen Staatsanteil an Industrieunternehmen.

Die amerikanische Steuer- und Finanzpolitik unter Ronald Reagan führte seit zu erheblichen inflationsbedingten Zinssteigerungen und einem Anstieg des Dollarkurses. Dieser brachte auf der ganzen Welt viele Banken und Volkswirtschaften, die sich in den er und er Jahren massiv in Dollar zu variablen Zinssätzen verschuldet hatten, in Schwierigkeiten, weil sie ihre in heimischer Währung bilanzierten Passiva aufwerten mussten.

Diese Krise war die erste, die die gesamte Finanzwelt erschütterte. Ausgangspunkt dieser regionalen Krisen war die Verschuldung vieler Unternehmen und des Staates in Fremdwährungen mit dem Ziel, Wachstum auf Kredit zu finanzieren. Bei Zinserhöhungen in den Staaten, in deren Währung die Schulden aufgenommen wurden zumeist US-Dollar , wurde die Schuldenrückzahlungen in den ausländischen Währungen schwieriger oder es kam sogar zur Zahlungsunfähigkeit von Staaten und Banken, wobei die Krisen auf die Realwirtschaft und den Arbeitsmarkt durchschlugen und ihre Folgen oft noch jahrelang spürbar waren.

Jahrhunderts wurde durch die Politik der US-Notenbank nach dem September gefördert, die die Zinsen auf den niedrigsten Stand in 40 Jahren absenkten. Eine Ursache dafür war, dass der Eintritt Chinas in die Weltwirtschaft einen allgemeinen Preisdruck erzeugte.

Für letztere Entwicklung war auch der krisenhafte Verlauf der Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaft von der auf niedrigen Arbeitskosten basierenden Massenproduktion hin zu einer binnenmarktorientierten und wissensbasierten Ökonomie ausschlaggebend, deren Rohstoffbedarf sich stark reduzieren wird.

Diese und andere Faktoren führten innerhalb von vier Quartalen zu einem Kapitalabzug im Umfang von ca. Diese forcierte Industrialisierung führte dazu, dass in den Schwellenländern anders als in den Industriestaaten, wo der Energieverbrauch nur langsam anstieg, besonders energieintensiv produziert wurde. Das verstärkte die Energienachfrage und trug mit zum Anstieg des Ölpreises bei.

Zahlreiche Investmentfonds fokussierten ihre Anlagen auf die Schwellenländer bzw. Nach der Finanzkrise verstärkte sich der Kapitalzufluss in die Schwellenländer wegen der Niedrig- bzw. Nullzinspolitik in den USA und Europa. Insgesamt flossen durch den Rohstoff- und Industrialisierungsboom von bis ca. Die deutschen Kapitalexporte verdreifachten sich zwischen und ; der Anteil der Schwellen- und Entwicklungsländer stieg dabei besonders stark an.

Vor allem aber internationale Bergbaukonzerne verschuldeten sich hoch, um sich den Zugriff auf Rohstoffreserven zu sichern. Ebenso stiegen die Staatsverschuldung der Schwellenländer sowie besonders in Malaysia und Thailand der Verschuldungsgrad privater Haushalte. Indien setzte hingegen auf die staatliche Förderung des privaten Konsums, was ein hohes Leistungsbilanzdefizit zur Folge hatte. Der kreditfinanzierte Investitionsboom in vielen Schwellenländern mit teils gigantischen Infrastruktur- und privaten Immobilienprojekten zog einen Abbau der Arbeitslosigkeit und einen deutlichen Anstieg des Wohlstands vieler privater Haushalte nach sich.

Der Rohstoffboom ergriff auch Industrieländer wie Australien und Kanada und befeuerte dort das Wirtschaftswachstum, führte aber dazu, dass der relative Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen an der Bruttowertschöpfung dieser Staaten zurückging und sie sich wieder den faktorbasierten Ökonomien annäherten, deren Wachstum vor allem auf extraktiven Industrien basiert.

Auch konnte das Handelsbilanzdefizit der USA und vieler EU-Staaten im Verhältnis zu China mit billigem Zentralbankgeld finanziert werden, wodurch für diese Staaten der Anreiz, eine wettbewerbsfähige Industrie zu erhalten, verringert wurde. Zudem gab es in den letzten Jahren wenig attraktiven Anlagealternativen. Dabei gerieten immer mehr Schwellenländer aus der zweiten Reihe ins Visier spekulativer Investoren. Hinzu kamen die wegen der in manchen Ländern teils fünfzehn Jahre anhaltenden Prosperitätsphase unterlassenen Strukturreformen z.

Bürokratieabbau, Reform der Landwirtschaft, Ausbau der Infrastruktur , die die Effektivität der Investitionen und die Steigerung der Arbeitsproduktivität behinderten.

So erlebte Indonesien von bis eine weitgehend ungestörte Boomphase, die den bescheidenen Wohlstand in den Städten vermehrte, allerdings auf Java zentriert blieb und nicht zur Entwicklung der Human Resources und der maroden Infrastruktur genutzt wurde. Eine Rolle spielen auch politische Faktoren wie die Streikwelle und die allgemein krisenhaften Arbeitsbeziehungen in Südafrika oder der im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum viel zu langsame Ausbau des Bildungswesens in Brasilien und Indonesien.

Auch in Thailand hielt der Ausbau der Infrastruktur nicht Schritt mit dem Wachstum, das sich stark auf die Region Bangkok konzentrierte. In Nigeria , das sich selbst als Schwellenland versteht, aber aufgrund sozialökonomischer Indikatoren zu den Entwicklungsländern gerechnet werden muss, konkurrieren die Eliten zahlreicher ethnischer Gruppen um die Erlöse aus dem Ölexport. Zusätzlich zu den ethnischen und religiösen Spannungen bremsen Terrorismus, Klientelismus und eine marode Infrastruktur die Entwicklung.

Trotz steigender Lohnkosten vor allem in den rohstoffproduzierenden Sektoren gelang es in vielen Schwellenländern nicht, die extreme soziale Ungleichheit zu reduzieren. China sogar weiter an, so z. Ein entscheidender Faktor für die Zuspitzung der Wachstumskrise im Jahr war jedoch die durch die niedrigen Zinsen und die staatliche chinesische Politik unterstützte Blasenbildung auf den Immobilien- und Finanzmärkten Chinas.

Ursächlich für den Einbruch der Exporterlöse der Schwellenländer war vor allem der Verfall der Ölpreise seit April Dieser war bedingt durch die vorausgehende starke Expansion der Förderung, die — gemessen am infolge der Energiewende nur langsam wachsenden Bedarf — zu Überkapazitäten führte. Bis war der Export von US-Rohöl verboten.

Saudi-Arabien erreichte Ende ein neues Fördermaximum, Angola expandierte die Förderung, und auch der Irak erreichte neue Rekordwerte, wenn auch um den Preis einer raschen Erschöpfung von Ölfeldern.

Auch Russland drosselte seine Produktion nicht, da der Rubelkurs im Verhältnis zum Dollar schneller fiel als der Ölpreis, so dass die in Rubel anfallenden Förderkosten im Verhältnis zu den Dollarerlösen sogar sanken. So erzielte Rosneft im zweiten Quartal erhebliche Umsatz- und Gewinnzuwächse. Nur der international stärker engagierte privat geführte Lukoil -Konzern, der in Dollar berichtet, erlitt einen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr Nur in Mexiko fiel die Förderung so stark, dass das Parlament die Aufhebung des staatlichen Monopols der PEMEX , die die erforderlichen Investitionen nicht mehr aufbringen konnte, und die Zulassung privater Förderunternehmen beschloss.

Durch den Ölpreisverfall sanken staatliche Einnahmen und Unternehmensgewinne der Öl und Gas fördernden bzw. In der Folge sank auch der Gaspreis. Zur Kompensation der zurückgehenden Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf warfen diese und andere Länder andere Rohstoffe auf den Markt, was neben der sinkenden Nachfrage Chinas ebenfalls zu deren Preisverfall beitrug.

Auch Kohle-, Zink-, Blei- und Platinpreis fielen. Insgesamt erreichten die Rohstoffpreise im August weltweit ein Jahres-Tief, während die Förderung nur langsam zurückging. Infolge des Preisverfalls stieg die Verschuldung von rohstoffexportierenden Staaten, aber auch von rohstofffördernden Unternehmen, die wegen der niedrigen Zinsen in den USA und Europa Dollar- und Eurokredite aufgenommen hatten, innerhalb kurzer Zeit an.

Als im Sommer Zinserhöhungen in den USA für den Herbst des Jahres angekündigt wurden, setzte eine massive Kapitalflucht aus den Schwellenländern ein, was dort zu stark fallenden Börsenkursen führte. Der malaysische Ringgit fiel auf den Tiefststand seit Die Inflation nahm in allen diesen Ländern zu, ohne dass durch den Kursverfall die Exporte nennenswert gesteigert werden konnten.

China weist zwar immer noch ein im Vergleich zu Europa beachtliches Wachstum auf, doch sank es auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Diese Entwicklung spielte eine katalytische Rolle für die Wachstumskrise in anderen Schwellenländern. Hatte China die Folgen der Finanzkrise durch einen gigantischen Investitionsboom zu kompensieren versucht, zeigte sich Jahre später, dass der unkoordinierte, durch Bankkredite geförderte Ausbau von Industrien in den Provinzen zu Überkapazitäten in zahlreichen Wirtschaftszweigen geführt hatte, für deren Produkte kaum Absatzchancen bestanden.

Die Kapazitäten der Stahl- und in der Papier- und Pappeproduktion waren nur noch zu 67 Prozent ausgelastet; schwach war ebenfalls die Auslastung der Raffinerien, Kohlebergwerke, Werften, Zementfabriken, Industrieglasfabriken sowie in einigen Agrarsparten u.

Das zeigte das Versagen der staatlichen Lenkung: Der geplante Umbau der chinesischen Wirtschaft von Massenproduktion zur Hochtechnologie und binnenmarktorientierten Dienstleistungsökonomie verlief nicht ohne gravierende Verwerfungen.

So waren Ende in China etwa Bis sollen 4. Die Investitionen in staatsnahe Unternehmen erlaubten diesen, zu Dumpingpreisen zu exportieren. Die Abwanderung vom Lande in die Stadt und insbesondere in die Städte der Küstenzone beschleunigte sich mit der Zunahme der Investitionen und dem steigenden Wohlstand. Lag der Urbanisierungsgrad in China bei 26 Prozent, so leben heute ca.

Im Hinterland kam es hingegen zu massiven Immobilienleerständen in Städten jenseits der ersten Reihe. Die Gesamtverschuldung Chinas war durch den Investitionsboom von Prozent des Bruttoinlandprodukts auf Prozent im Jahr gestiegen und überschritt damit relativ die Verschuldung der USA. Dabei spielen weniger die Zentralregierung als vielmehr die Lokalregierungen die treibende Rolle; sie finanzierten sich durch den Verkauf von Landnutzungsrechten und förderten damit die Immobilienblase.

Wegen sinkender Erzeugerpreise sind viele Unternehmen nicht in der Lage, ihre Kredite zurückzuzahlen. Juni bis zum August fiel er dann um ca. In China schmolzen die Devisenreserven, die wegen der hohen Exportüberschüsse noch Anfang einen Rekordwert von über 3,8 Billionen US-Dollar erreicht hatten; [43] die mehrfache Abwertung der chinesischen Währung sollte vor allem die Devisenreserven stabilisieren, die Anfang nur noch 3,3 Billionen Dollar betrugen.

Die private Verschuldung in den Schwellenländern insgesamt ist auf etwa Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung gestiegen; das ist mehr als zu Beginn der Schwellenländerkrise Die privaten Dollar- und Euroschulden können wegen des Währungsverfalls in vielen Schwellenländern nicht mehr bedient werden.

Besonders sind davon die Mittelschichten betroffen. Das ist der höchste Stand seit 25 Jahren. So verschlingt hier der monatliche Schuldendienst allein mehr als 25 Prozent des Nettoeinkommens und schmälert dadurch den Konsum erheblich. Der weitere Verlauf und die Auswirkungen der Entwicklung sind derzeit Januar noch nicht genau absehbar, am wenigsten wohl im Falle Chinas. Dort sind weitere Beeinträchtigungen des Konsums und der privaten Investitionen zu erwarten.